In Österreich haben wir einen echten Luxus, den viele Menschen weltweit nicht kennen: frisches, sauberes Trinkwasser direkt aus der Leitung. Trotzdem greifen immer mehr von uns zu Wasser aus Plastikflaschen. Warum eigentlich?
Ein Grund dürfte Marketing sein: Abgefülltes Wasser wird oft als besonders rein, gesund und praktisch dargestellt. Doch aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen zeichnen ein differenzierteres Bild.
Was Forschende in Flaschenwasser finden
Mehrere Studien der letzten Jahre zeigen, dass abgefülltes Wasser keineswegs „steril“ ist. In manchen Proben wurden bakterielle Verunreinigungen festgestellt – vor allem bei Wasser aus Plastikflaschen und großen Mehrwegkanistern. Gleichzeitig weisen Untersuchungen darauf hin, dass Leitungswasser in vielen Industrieländern strenger kontrolliert wird als Flaschenwasser. Öffentliche Wasserversorger prüfen regelmäßig auf Keime, Schwermetalle und andere Schadstoffe, während für Flaschenwasser oft weniger engmaschige Vorgaben gelten.
Besonders aufmerksam machen Ergebnisse rund um Mikroplastik. In verschiedenen abgefüllten Wässern wurden teils sehr hohe Mengen winziger Plastikpartikel pro Liter gefunden. Einige Studien deuten sogar darauf hin, dass Flaschenwasser im Schnitt mehr Mikroplastik enthalten kann als Leitungswasser.
Was das langfristig für den menschlichen Körper bedeutet, ist noch nicht abschließend geklärt. Diskutiert werden unter anderem Entzündungsreaktionen, hormonelle Effekte und die mögliche Anreicherung von Partikeln in Organen. Sicher ist: Der Forschungsbedarf ist groß – und die Vorsorge naheliegend.
Chemikalien aus der Flasche
Kunststoffflaschen können unter bestimmten Bedingungen Substanzen an das Wasser abgeben, etwa wenn sie lange gelagert oder Hitze ausgesetzt sind (zum Beispiel im Auto oder in direkter Sonne). Dazu zählen Stoffe, die im Verdacht stehen, im Körper hormonähnlich zu wirken. Auch hier gilt: Die gemessenen Mengen sind meist gering, doch über mögliche Effekte einer dauerhaften, lebenslangen Aufnahme weiß man noch zu wenig.
Nicht steril – und oft unnötig
Nach dem Öffnen können sich in Flaschen Keime schnell vermehren, besonders wenn sie warm stehen. Auch das wiederholte Verwenden von Einwegflaschen ist aus hygienischer Sicht problematisch.
Leitungswasser bringt hier einen klaren Vorteil: Es ist in Österreich hervorragend überwacht, frisch verfügbar und in der Regel reich an natürlichen Mineralstoffen.
Die ökologische Dimension
Neben der Gesundheitsfrage ist die Umweltbelastung enorm. Weltweit werden pro Minute rund eine Million Plastikflaschen gekauft. Herstellung, Transport und Kühlung verbrauchen große Mengen Energie und verursachen CO₂-Emissionen. Schätzungen zufolge ist der ökologische Fußabdruck von Flaschenwasser um ein Vielfaches höher als jener von Leitungswasser.
Flaschenwasser bleibt wichtig – aber nicht überall
Wasser in Flaschen ist keineswegs „grundsätzlich schlecht“. In Regionen ohne sicheren Zugang zu sauberem Trinkwasser und in Katastrophensituationen ist es unverzichtbar. Doch in Ländern wie Österreich ist es im Alltag meist weder sicherer noch sauberer als Leitungswasser – oft sogar das Gegenteil.
Unsere einfache Entscheidung im Alltag
Noch wissen wir nicht alles über die langfristigen Folgen von Mikroplastik und bestimmten Chemikalien. Was wir aber wissen: Kaum eine Alltagsentscheidung ist so einfach und gleichzeitig so wirksam für die Umwelt wie der Griff zum Leitungswasser.
Mit einem Sodastreamer und wiederbefüllbaren CO2-Zylindern wird aus Leitungswasser im Handumdrehen prickelnder Genuss – ganz ohne Einwegplastik und ohne Kistenschleppen.
Unser Fazit: Leitungswasser ist in Österreich ein hochwertiges, streng kontrolliertes Lebensmittel. Es zu nutzen heißt, Müll zu vermeiden, Emissionen zu reduzieren – und möglicherweise auch unnötige gesundheitliche Risiken zu umgehen.
